Der Pizzaofen

Das der Teig ein überaus wichtiger Pizzabestandteil ist, habe ich hoffentlich im vorigen Artikel vermitteln können. Aber jetzt lauert eigentlich schon die nächste Klippe, die es zu umschiffen gilt. Denn unsere Pizza möchte ja auch gebacken werden. Und zweifellos die spektakulärsten Pizzen, die ich jemals gegessen hatte, kamen aus einem holzbefeuerten Pizzaofen. Glücklich ist der, der so ein Schmuckstück besitzt. Aber was machen dann 99,999 Prozent der Restbevölkerung? Richtig, sie schieben ihre Pizzen in den Backofen. Und geben sich der stillen Hoffnung hin, dass die Pizza mit dem Weniger an Hitze dann doch auch gezwungenermaßen klarkommen wird. Leider tut sie es nicht. Sie schmeckt einfach nicht so, wie beim Italiener. Und das liegt eindeutig an der viel zu geringen Hitze, die der Ofen zur Verfügung stellt.
Das kann ich jetzt – mit dem nötigen Abstand zu den Versuchen, einem normalen Backofen eine Meisterpizza abzutrotzen – mittlerweile sagen. Denn ein Pizzaofen sollte Temperaturen jenseits der 400 Grad schon erreichen, bei Temperaturen, die darunter liegen, muss man eigentlich vom Pizzakochen reden. Den Umweg über den Bau eines Holzbackofens, den ich selbst gegangen bin, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausbreiten. Denn die Benutzung ist dermaßen aufwendig, dass er eigentlich nur für hohe bis höchste Feiertage infrage kommt, es sei denn, man stellt seine Ernährung komplett auf Pizzen um.

Steinofen

Glücklicherweise begegnete mir vor einigen Jahren die Lösung des Problems in Form eines kleinen, eher unscheinbaren, roten Pizzaofens der Firma Bestron, Typ DLD 9016. Dieses Wunderwerk hat – das darf ich jetzt einmal in aller Andacht sagen – die Pizzazubereitung bei uns revolutioniert. Dieser Ofen erreicht Temperaturen von 470 Grad (!), hat einen eingelegten Schamottstein, ist in 10 Minuten vorgeheizt und verbraucht nicht mehr als 1200 Watt Strom, also deutlich weniger als mein Föhn. Er ist vergleichsweise leicht, also schnell auf- und abgebaut, und dazu noch klein und handlich. Der Preis betrug damals ungefähr 70 Euro, und war die beste Investition, an die ich mich erinnern kann.

Der ultimative Pizzaofen

Der ultimative Pizzaofen

Leider wird dieser Ofentyp so nicht mehr hergestellt. Das Bedürfnis der EU-Bürokratie seine Bürger zu bevormunden, gipfelte 2011 in der Verordnung A12, welche die erreichbaren 470 Grad als eine zu hohe Temperatur wegen möglicher Verbrennungsgefahr an der heißen Blechverkleidung erachtete. Was zur Folge hatte, dass die Preise – selbst für gebrauchte Modelle – in schwindelnde Höhen stiegen. Teilweise konnte man bei Ebay über 200 Euro für einen gebrauchten Alfredo 9016 erzielen. Und bis heute haben die Hersteller es nicht geschafft, ein Ofenmodell herauszubringen, was einerseits die hohen Temperaturen erzeugen kann, und andererseits den geforderten Berührschutz unter einen Hut bringt. Einige Modelle sind aber bereits auf dem richtigen Weg, sodass man gespannt sein darf, was der Markt in naher Zukunft uns Pizza-Enthusiasten anbieten wird.

Mein Rat an alle, die mit der Anschaffung liebäugeln: Hin und wieder werden Gebrauchtgeräte zu vertretbaren Preisen angeboten, einfach öfter mal bei Ebay oder Ebay-Kleinanzeigen reinschauen. Wer mit dem neuen NG-Modell (New Generation) arbeitet, kann mir ja mal seine Erfahrung mitteilen.

Den Schamottstein reinigen

Der Schamottstein eines Pizzaofens wird mit der Zeit unansehnlich. Das liegt einfach daran, dass manchmal etwas Pizzabelag herunterfällt, und auf dem heißen Stein verbrennt. Mit der Zeit wird so der Stein ziemlich dunkel und fängt an zu rauchen, wenn er erhitzt wird. Natürlich sollte man alle Essensreste möglichst früh entfernen. Aber irgendwann wird einfach eine Intensivreinigung fällig. Und das ist eigentlich ganz einfach: Man bringt den Ofen ins Freie und lässt ihn auf höchster Stufe ca. eine Stunde heizen. Durch die hohe Temperatur verbrennen die Beläge zu einem weißen Pulver, dass man nach dem Abkühlen einfach wegfegen kann. Und siehe da – der Stein ist wieder hell. Das Prinzip heißt Pyrolyse, und wird auch bei einigen Backöfen angewandt. Die haben ein spezielles Pyrolyse-Programm, was die Tür verriegelt, und den Ofen hochheizt, sodass alle eingebrannten Essensreste zu Asche werden.